Johannes Conrad: „Das Hornvieh ist gemolken – Nonsens in Bild, Vers und Prosa“

Wie ich mir mein Denkmal vorstelle:

In der Art eines herkömmlichen Denkmals aus Granit bzw. erzgebirgischem Marmor oder vielleicht gar als Hohlkörper aus Bronze stelle ich mir mein Denkmal nicht vor. Am liebsten wäre mir die Züchtung eines Boskops, welcher die Form meines Kopfes haben müsste, oder die Entwicklung von kostenlosen Dauerlutschern mit Fruchtgeschmack, welche wie ich aussehen sollten. Weil das aber in nächster Zukunft sicher nicht möglich sein wird, wünsche ich mir, dass die bei uns gebräuchlichen Streichhölzer in Zukunft als „Johannes-Conrad-Denkmals-Sicherheits-Zündhölzer“ produziert werden, indem man meinen Kopf als Muster für die Streichholzköpfe nimmt. So kann jeder Bürger nach Bedarf seine Wut an mir auslassen oder sich an mir erfreuen. Nur Briefchenzündhölzern möchte ich nicht als Vorlage dienen, weil deren Köpfe so platt sind. Noch lieber wäre es mir natürlich, wenn irgendwelche geschickten, kosmonautischen Steinmetzen dem Mond die Form meines Kopfes einschließlich des Gesichtes geben könnten. Das wäre freilich eine Heidenarbeit mit den kleinen Meißeln, aber dafür würde es dann auch ein sehr schönes Denkmal sein, und die Zugereisten könnten immer wieder fragen: „Was ist denn das für ein Mond da oben?“

Eulenspiegel-Verlag, Berlin

2. Auflage, 1989 (1. Auflage 1986)

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