Arnold Zenkert: „Zähl die heitren Stunden nur – Sinnsprüche auf Sonnenuhren“

Es gibt in der Welt nichts Gleichgültigeres als die Uhr: Sie schlägt ebenso regelmäßig in den Minuten Eurer Geburt wie in den Minuten, in denen ihr begierig die Blumen Eurer Jugendträume pflückt. Vom Augenblick seiner Geburt geht der Mensch mit jedem Tage dem Tode entgegen. Und wenn Ihr im Todeskampf röcheln werdet, so wird die Uhr ruhig ihre Sekunden zählen. Hört nur hin auf dieses kalte Zählen! In ihrem Klang liegt etwas Allwissendes und etwas Müdes von diesem Wissen. Nichts ist der Uhr zu teuer, nichts mag sie aus der Ruhe bringen. Sie bleibt gleichgültig und kalt.

Doch wir, die wir das Leben voll und schön leben wollen, müssen uns eine andere Uhr verschaffen. Eine neue Uhr voller Empfinden, voller Gedanken und Wirksamkeit, soll sie uns das langjährige, eintönige, das Gemüt verstimmende, die Seele tötende, das vorwurfsvolle Schlagen der alten Uhr ersetzen. (Maxim Gorki)

Eulenspiegel-Verlag, Berlin

2. Auflage, 1985 (1. Auflage 1983)

Illustrationen von Rudolf Peschel.

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