Heinz Knobloch: „Beiträge zum Tugendpfad“

Heinz Knobloch hat eine ausgewachsene Spürnase für Dinge, die man gemeinhin glatt übersieht. Sei es Rembrandts Oma oder eine gewisse Handwärmekugel, Gohliser Kirmeskuchen oder ein verstaubtes Bild von der Lollo – die Dinge mögen noch so unscheinbar sein, Knobloch hat sie unter Garantie bereits entdeckt und Geschichten daraus gemacht. Da stehen sie nun, diese „Feuilletons“, und laden uns ein zu einer Plauderei über Gaumenfreuden und Leseappetit, zu einem Gang durch das neue alte Dresden oder zu einem Abstecher nach Ägypten. Dabei begegnen wir zahllosen munteren Zeitgenossen: neugierigen Kindern, Frauen im Café, Rentnern, die auf Parkbänken von vergangenen Zeiten träumen, Liebenden und – immer wieder – uns selbst.
Unfeierlich und heiter beschreibt Knobloch die Menschen, betont ihre liebenswerten Seiten, ohne ihre Schwächen und Schwachheiten zu vertuschen. Geschult an den Feuilletonisten der zwanziger Jahre – hier ist vor allem Victor Auburtin zu nennen, den er für uns wiederentdeckte -‚ weiß Knobloch seine Wahrheiten auf höchst amüsante Weise an den Leser zu bringen.
Meist sind es alltägliche Geschichten, wenig sensationelle Begebenheiten, die erzählt werden; spätestens hier wäre die obligatorische Frage nach dem „großen Gegenstand“ fällig. Unser Autor beantwortet sie so: „Der große Gegenstand ist der Mensch, wenn er einer wäre. Aber er ist keiner, denn er bewegt sich, denkt und lacht.“

Heinz Knobloch, 1926 in Dresden geboren, Besuch der Oberschule, 1942 Lehre als Verlagskaufmann, 1943 Soldat, 1944/48 Kriegsgefangener in den USA und Schottland, 1948 Bürohilfskraft, 1949 Redakteur, 1960 Diplomjournalist. Seit ihrer Gründung 1953 bei der Zeitschrift „Wochenpost“ beschäftigt, veröffentlichte er seit 1968 in jeder Ausgabe ein Feuilleton. – 1963 Literaturpreis des FDGB, 1965 Heinrich-Heine-Preis.
Hauptwerke: „Herztöne und Zimmermannssplitter“ (1962), „Vom Wesen des Feuilletons“ (1962), „Die guten Sitten…“ (1964), „Pardon für Bütten“ (1964), „Du liebe Zeit“ (1966), „Täglich geöffnet“ (1970), „Bloß wegen der Liebe“ (1971).

Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar

bb-Reihe Nr. 244

1. Auflage, 1972

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