Gustave Flaubert: "Madame Bovary"

Von den drei vordersten Namen des Romans aus den Bürgerzeiten ist Balzac die Heldengestalt, Stendhal der immer Zeitgemäße. Aber der Heilige des Romans ist Flaubert. Er hat nicht die kühnen und ausschweifenden Eroberungszüge gemacht, wie Balzac, durch alle neuen Gebiete einer kürzlich umgewälzten Welt. Er hat auch nicht erfunden, wie Stendhal, was Frauen und Männer wenigstens hundert Jahre lang ihm und seinen Figuren nachleben, nachfühlen werden. Aber er hat an der geistigen und technischen Förderung des Romans gearbeitet wie keiner und brachte sich und sein Menschenglück ihm dar, als wäre dies eine Verpflichtung gegen das Übersinnliche. Die Selbstachtung des geistig Gestaltenden hat in ihm einen ihrer Höhepunkte wie zu gleicher Zeit in Ibsen. Er glaubte nicht, dass irgendeine andere Tätigkeit des Menschen der seinen gleichkomme, weil er die Annäherung an das Vollkommene von sich verlangte, und wer sonst strebt danach. Er glaubte an Gesetze der Schönheit, die wie Gebote eines Gottes sind und im Geschaffenen das Ewige bewahren. (Heinrich Mann)

Rütten und Loening, Berlin

1. Auflage, 1978

Übersetzt von Wolfgang Techtmeier.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s