Paul Körner-Schrader: Die silbernen Kugeln

Sie waren allgegenwärtig in den Kinderzimmern: „Die kleinen Trompeterbücher“. Diese Kinderbuch-Reihe aus dem „Kinderbuchverlag Berlin“ für Leser ab 8 Jahren, erfreute sich großer Beliebtheit. Die Bücher im Format 15 x 10,5 kosteten 1,75 Mark bzw. 2,40 Mark für den Doppelband.

„Die silbernen Kugeln“ von Paul Körner-Schrader mit Illustrationen von Horst Bartsch erschien 1960 als Band 12 der Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ im „Kinderbuchverlag Berlin“.

Der Autor verarbeitet in seinen Romanen oft sein eigenes Erleben aus der Zeit des Kaiserreichs bis zum Zweiten Weltkrieg. Das Buch „Die silbernen Kugeln“ spielt im Kaiserreich, also zu einer Zeit, als es noch keine Republik gab und Monarchie herrschte.

Emil und Elfriede haben keine leichte Kindheit. Die Mutter ist schwer krank und liegt im Siechenhaus, der Vater ist weg. Wo der Vater ist, wird uns Elfriede später erzählen. Die Kinder leben mit ihrer Großmutter am Existenzminimum. Um satt zu werden, sammeln sie Grünzeug von der Wiese: Brennnesselsuppe, Otterzungen und Brunnenkresse. Noch ist Sommer, aber was soll der Winter bringen? Etwas liebt Elfriede ganz besonders: Liebesperlen, die sie immer aus einem Glas abfüllen lässt. Manchmal hat man Glück und erwischt eine Silberkugel oder auch mehr. Diese Silberperlen sollen Glück bringen.

Ihr Vater ist Bergmann und braucht regelmäßig Petroleum für seine Grubenlampe. Wo das Petroleum am billigsten ist, wird das Petroleum gekauft. Doch plötzlich ändert sich alles. Die Bergleute dürfen ihre Grubenlampe nicht mehr mit nach Hause nehmen, müssen ihre Lampen im Werk füllen. Dort ist das Petroleum sehr viel teurer, weil auch der Bergherr daran verdienen will. Die Petroleumgesellschaften haben sich zusammengeschlossen zu einem Monopol.

Doch auch die Arbeiter organisieren sich und fordern ihre Rechte ein. Als die Bude, in der das Petroleum verkauft wird, abbrennt, wird der Vater der Kinder verhaftet und – obwohl es keine Beweise gibt – zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nur kurze Zeit später stirbt die Mutter und kurz darauf die Oma. Der Onkel nimmt die Kinder bei sich auf, doch das Gericht entscheidet anders. Die Kinder werden getrennt und Elfriede kommt zu einem Schlossermeister, der seine Lehrlinge schlägt und sie auch bestraft, indem er ihnen nichts zu trinken gibt. Auch die Meisterin hat eine lockere Hand und das Mädchen steckt so manche Schläge ein. Elfriede hilft den bestraften Lehrlingen, gibt ihnen heimlich Wasser. Wenn die Lehrlinge manchmal reparierte Sachen zu den Kunden tragen, bekommen sie ein kleines Trinkgeld und geben ihr davon etwas ab. Die Jungen wissen, wie sehr sie Liebesperlen liebt. Tatsächlich bekommt sie beim nächsten Kauf nur silberne Perlen, aber Glück bringen sie ihr nicht. Elfriede wird vom Meister und seiner Frau verdächtigt, das Geld gestohlen zu haben und wird verprügelt. Doch sie verrät die Lehrlinge nicht, weil dann auch sie bestraft würden. Die blauen Flecke in Elfriedes Gesicht sind so angeschwollen, dass Elfriede nicht zur Schule gehen kann. Dann kommt der Onkel und sie beichtet ihm, von wem die Flecken stammen. Gemeinsam gehen sie aufs Gericht und hier erfährt Elfriede auch, dass ihr Vater in den nächsten Tagen wieder nach Hause kommen wird. Genossen haben dafür gesorgt, dass er einen neuen Prozess bekam, den er gewonnen hat. Als sie auf dem Schoß vom heimgekehrten Vater sitzt, erzählt sie von den Silberperlen, die ihr wohl doch Glück gebracht haben. Doch der Vater sagt, dass man sein Glück selbst erringen muss.

  • Kinderbuchverlag Berlin 1960
  • Die kleinen Trompeterbücher, Band 12

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