Richard Yates: Das Jahr der leeren Träume

Frank Wheeler ist angesehener Mitarbeiter einer Computerfirma. Er hat eine attraktive Frau, zwei Kinder, ein Haus, Geld, Auto, Freunde – ein Leben also, das den „amerikanischen Traum“ perfekt widerzuspiegeln scheint. Und er fügt sich willig ein in diesen unbequemen Status. Doch die glänzende Fassade mittelständischen Wohlstandsdaseins hat eine bittere Kehrseite: Unausgefülltheit, Langeweile und wachsende Entfremdung belasten den Alltag seiner Ehe, die brüchig ist, seit April Wheeler begriffen hat, daß nicht Liebe sie mit ihrem Mann verbindet, sondern eine „entsetzlich krankhafte Abhängigkeit von den eigenen Schwächen und denen des anderen“. Die Erkenntnis dieser „großen, schrecklichen Selbsttäuschung“ weckt in ihr die Hoffnung, durch einen gemeinsamen Neubeginn in Europa dem völligen Zerfall ihrer persönlichen Beziehungen entgegenwirken zu können. Aber eine neue Schwangerschaft macht ihre Träume scheinbar endgültig zunichte.
Unprätentiös und eindringlich zeichnet Richard Yates in diesem Roman das Bild einer modernen Ehe, die dem wachsenden Kommunikationsverlust in einer nur auf Äußerlichkeiten orientierten Gesellschaft nichts mehr entgegenzustellen weiß. Der 1926 in der Nähe von New York geborene und aufgewachsene amerikanische Schriftsteller spricht darüber hinaus mit kritischer Konsequenz einem System das Urteil, das derartige Erscheinungen provoziert.

Verlag Volk und Welt Berlin 1965
Buchclub 65

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