Gotthold Gloger: Der gestohlene Berg

Teil 1 und Teil 2
Die Männer und Frauen der Spessart-Dörfer Villach und Lettgenbrunn ziehen über die Felder. Weißgekleidete Ministranten gehen voran und schwenken die Meßgefäße. Der Pfarrer schreitet vor dem Kruzifix einher. Die gelbseidene Fahne der Prozession wird von der zwanzigjährigen Philomela Kleespieß getragen. „Maria, du Mutter Gottes, segne den Boden und beschütze uns.“ Die Bauern beten, daß ihre Dörfer von der Landbeschlagnahme verschont bleiben mögen. Aber in dem Deutschland Wilhelms II. gibt es mächtigere Kräfte als den lieben Gott. Der drohende Krieg, noch ehe er begonnen hat, nimmt den Menschen die Heimat, später nimmt er sie selbst. Auch der Verlobte Philomelas kehrt nicht mehr nach Hause zurück. Ihrer Jugend, ihres Glückes beraubt, geht Philomela nach dem Krieg nach Lettgenbrunn zurück, um die verwüsteten Äcker neu zu bestellen. Aber die Dörfer bleiben bedroht, und es wird noch lange dauern, ehe die Bauern des Spessart Mittel und Wege finden, um sich gegen neuen Landraub und neue Kriegsgefahr zur Wehr zu setzen.

Aufbau-Verlag Berlin 1961
Deutsche Volksbibliothek

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