Herbert Friedrich: Nachmittag eines Schriftstellers

Arnulf Straßberger hat gerade den ersten Satz zu seinem Roman über das alte Rom niedergeschrieben, als ihn familiäre Ereignisse zwingen, die Gedanken an die Historie abzubrechen und sich mit den Problemen des Hier und Heute auseinanderzusetzen; eine geschiedene Frau erfährt am Silvesterabend, den sie mit ihrem Freund feiert, daß sich ihre siebzehnjährige Tochter Neujahr verloben will, und bemerkt erst jetzt jene Fremdheit, die ihre einst so enge Beziehung zu ihrem Kind bedroht; dem achtzehnjährigen Werner Truckenbrodt, der sich Ende 1944 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet hat, wird in den letzten furchtbaren Monaten des zweiten Weltkrieges die Sinnlosigkeit des Mitmarschierens bewußt; eine alte Frau sieht eines Tages das Bild ihres Sohnes in der Zeitung und hofft auf seinen Besuch, statt dessen erscheint die Enkelin mit Freund und bringt durch egoistische Gedankenlosigkeit den einsamen Alltagstrott der schwerhörigen Großmutter durcheinander.
So unterschiedlich die Themen seiner Erzählungen auch sind, immer geht es Herbert Friedrich um ethisch-moralische Probleme, um nicht bewältigte zwischenmenschliche Beziehungen.

Verlag Neues Leben Berlin 1987

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