Frank Weymann: Kein Sterbenswort

„Kein Sterbenswort“ – der Titel hat etwas Verschwörerisches, und tatsächlich trägt in diesem Roman Kriminalistisches einen bestimmten Anteil der Handlung…
Nach Kriegsende kommt eine junge Frau mit ihrem Sohn in ein Dorf an der Küste. Westphal, angesehenster Bauer, nimmt sie auf, umwirbt sie. Versucht die Mutter auch über den Sohn zu erobern. Maria wartet auf den vermißten Mann. Die Zeit schütteld das Dorf durcheinander: Eingesessene gegen Neubauern, Gründung einer Genossenschaft, Klassenkampf auf Gemüsebeet und im Viehstall… An Westphal kommt keiner vorbei, er ist ein Gegner von großem Kaliber. Alles gelingt ihm, ausgenommen der letzte Schritt… Marias Sohn sticht dem Bauern das Messer in den Rücken. Eine Tat im Affekt, doch mit vielfach verzweigten Motiven: Haß, politischem Instinkt, Rache, Sohnesliebe…
Zwölf Jahre danach kommt Andreas als Bauingenieur zurück, um das Dorf unter Beton zu begraben. Die Häuser müssen eingeebnet, Lebende umgesiedelt, die Toten umgebettet werden… Andreas ist umstellt von Gesichten. Tote und Lebende richten das Wort an ihn. Schwer trägt er an seiner Schuld. Wer nimmt sie von ihm? Weymann bietet keine flotten Lösungen. Wenn ich sein Buch richtig lese, gibt es mir auf, selbst zu entscheiden, ob ich diesen Andreas… freispreche oder auf einem J’accuse bestehe. – Richard Christ in der „Weltbühne“

Verlag Neues Leben Berlin 1981
NL Podium

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