Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff, Daguerreotypie; eine von zwei 1845 entstandenen Fotografien der Dichterin

Annette von Droste-Hülshoff, ihr Taufname lautet Anna Elisabeth Franziska Maria Adolphina Wilhelmina Ludowica, kommt am 12. Januar 1797 auf der münsterländischen Wasserburg Hülshoff als Achtmonatskind zur Welt. Sie überlebt nur Dank der Amme Katharina Plettendorf, die sich Tag und Nacht um „Nette“ kümmert. Annettes Vater, Clemens August von Droste-Hülshoff widmet sich nach seinem Abschied von der Münsterschen Kavallerie Geschichts-, Biologie- und Botanikstudien sowie dem Geigenspiel. Die Mutter, Therese Luise von Droste-Hülshoff, eine Geborene von Haxthausen, begeistert ihre Tochter für die Dichtung und fördert deren erste schriftstellerische Versuche. Annette von Droste-Hülshoff hat noch eine ältere Schwester, Maria Anna, Jenny genannt, sowie zwei jüngere Brüder, Werner Konstantin und Ferdinand.
Schon als Kind verfasst Annette kleine Verse, die ihre Mutter aufschreiben muss. Doch sie wächst in einer Zeit auf, in der Frauen ihren Lebensinhalt kaum selber wählen können. Also dauert es Jahre, bis sie sich verwirklichen darf. Durch verschiedene Reisen lernt sie interessante Persönlichkeiten ihrer Epoche kennen. Selbstbewusste Frauen, die ihr zum Vorbild werden, und ihr langjähriger Dichterfreund Levin Schücking, der sie literarisch inspiriert, fördert und nach ihrem Tod ihr Werk verbreitet.

Hauslehrer unterrichten Annette von Droste-Hülshoff und ihre Geschwister in alten Sprachen, Französisch, Naturkunde und Mathematik. Das kleine, zerbrechliche Mädchen zeichnet sich durch seine Sprachbegabung, Fantasie, Musikalität und Naturverbundenheit aus. Bei ihren Streifzügen durch die Region um Hülshoff lernt Annette bei einfachen Bauern das unverfälschte westfälische Volkstum mit seinen Bräuchen und Gespenstergeschichten kennen. Ihre erste große Reise führt sie als Achtjährige nach Bökendorf, wo ihre Großeltern und die Onkel Werner und August von Haxthausen leben. Letztere sind literarisch engagiert und machen das dortige Gut Bökerhof zu einem Zentrum geistigen Lebens. 1813 kommt Annette dort bei einem weiteren Besuch mit der Welt der Romantiker in Kontakt: Sie lernt die Brüder Grimm kennen und trägt zu Wilhelm Grimms Märchen- und Sagensammlungen aus der Volksüberlieferung bei. Ihre eigenen Gedichte und Texte, die sie ihren Onkeln und deren gelehrten Freunden vorträgt, werden von diesen belächelt.

Anton Matthias Sprickmann, der Professor der Rechte in Münster und Nachbar der Familie ist, wird ein Förderer ihrer literarischen Begabung. Er pflegt Kontakte zu bekannten Dichtern seiner Zeit. Ihm legt sie ihr erstes, Fragment gebliebenes Drama „Berta oder die Alpen“ (1814), die Verserzählung „Alter“ (1818) sowie den unvollendeten Roman „Ledwina“ (1819) vor. Der 48 Jahre ältere, väterliche Freund ermutigt die Dichterin in seinen Briefen, bis die Verbindung 1819 langsam einschläft.
In diesem Jahr reist Annette von Droste-Hülshoff wieder nach Bökendorf, wo sie die Studenten Heinrich Straube und August von Arnswaldt kennen lernt. Diese Bekanntschaft endet durch ein Intrigenspiel in einer Liebeskatastrophe. Ihre an der Intrige beteiligten Verwandten, die von Haxthausen, brandmarken sie als schamlos und leichtsinnig. Annette zieht sich daraufhin in ihr Elternhaus zurück und meidet Bökendorf für 18 Jahre. Vom „Geistreichen Jahr“ (1820), eine Sammlung religiöser Erbauungslieder, die für die westfälische Großmutter gedacht ist, erscheint nur ein erster Teil in Reinschrift. Die Dichterin vollendet ihn erst 1840 in Form einer persönlichen Bekenntnisdichtung.

Da Annette von Droste-Hülshoff oft kränkelt, rät ihr Arzt zu einer Luftveränderung. 1825 begibt sie sich zu einem Onkel nach Köln, wo sie in Kontakt mit dem Stadtleben und dem technischen Fortschritt kommt. In einem Brief schildert sie den Stapellauf des ersten deutschen Dampfschiffs „Friedrich Wilhelm“ am 17.10.1825, reist aber nicht mit dieser „Höllenmaschine“, sondern auf anderem Weg weiter nach Koblenz. Dort wohnt sie bei Wilhelmine von Thielmann, die Novalis, Schiller und Goethe kannte und der Annette, wie sie selbst schreibt, „hinsichtlich meiner Geistesbildung viel zu verdanken“ hat. Auch die Begegnung mit Sybilla Mertens-Schaafhausen, der „Rheingräfin“, ist Balsam für ihr Selbstbewusstsein. An der Bonner Rheinuniversität lernt Annette August Wilhelm von Schlegel kennen.
Im April 1826 tritt Annette von Droste-Hülshoff die Heimfahrt an. Am 25. Juli desselben Jahres stirbt der innig geliebte Vater. Den Hülshoffschen Besitz erbt der älteste Bruder, Annette erhält eine karge Leibrente und zieht mit ihrer Mutter in deren Witwensitz, das nahe gelegene Rüschhaus.

1828 wird Annette immer kränker. Von den Ärzten wird sie aufgegeben. So wendet sie sich der Homöopathie zu, einem damals noch sehr jungen Heilverfahren, das ihr hilft. Am 15. Juni 1829 stirbt der jüngere Bruder Ferdinand. Das löst bei ihr eine erneute Krise aus.
Annette begegnet Adele Schopenhauer und Levin Schücking, dem Sohn ihrer Freundin, der Dichterin Katharina Busch. Die beiden treffen sich erstmals 1831. Sechs Jahre später wird Annette über ihn Mitglied eines Lesezirkels um Elise Rüdiger. 1838 erscheint ein Gedichtband von Annette von Droste-Hülshoff, der sich nur 74-mal verkauft. 1840 erhält Schücking den Auftrag, ein Buch mit dem Titel „Das malerische und romantische Westfalen“ zu verfassen, zu dem auch Annette Balladen beisteuert. 1841 vermittelt sie ihrem Freund eine Stelle als Bibliothekar bei ihrem Schwager, dem Germanisten Joseph Freiherr von Lassberg, in Meersburg am Bodensee, wo Schücking bis zum 2. April 1842 arbeitet, bevor er Redakteur bei der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ wird.

Annette von Droste-Hülshoff vollendet 1841 ihre berühmte Novelle „Die Judenbuche“, die vom 22. April bis zum 10. Mai 1842 im vom Cotta-Verlag herausgegebenen „Morgenblatt für gebildete Leser“ erscheint. Bei Annettes erstem längerem Aufenthalt in Meersburg, wo ihr Schwager die Burg erworben hat, entstehen zahlreiche Gedichte, darunter „Der Knabe im Moor“, die heute zur Weltliteratur gezählt werden. Nach einer kurzen Stippvisite in Westfalen kehrt Annette 1843 für eine Weile nach Meersburg zurück und kauft das oberhalb der Stadt gelegene „Fürstenhäusle“ mitsamt den umliegenden Weinstöcken. Ihr 1844 bei Cotta veröffentlichter Gedichtband findet große Resonanz und macht sie noch zu Lebzeiten zu einer relativ bekannten Schriftstellerin. 1846 bricht sie die Verbindung zu Levin Schücking ab, der mittlerweile mit Louise von Gall verheiratet ist.
Wegen ihres immer noch angegriffenen Gesundheitszustands kann sie erst 1846 eine dritte Reise nach Meersburg unternehmen, wo sie bei ihrem Schwager wohnt. Im Frühjahr 1848 ist sie so schwach, dass sie nur einen kurzen Spaziergang über den Schlosshof ihres Schwagers machen kann. Am 24. Mai 1848 stirbt Annette von Droste-Hülshoff nach heftigem Bluthusten auf der Meersburg. Zwei Tage später setzt man sie auf dem Friedhof der Stadt bei.

Im Blog zu finden:
Die Judenbuche

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2 Kommentare zu „Annette von Droste-Hülshoff

  1. Die Judenbuche ist selbstverständlich ein begriff und seit Schulzeiten in meinem Kopf. Nach fast 60 Jahren werde ich das alte Reclamheft noch einmal hervorkramen und die Erzählung lesen. Danke für den Anstoß.

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