Andre Malraux: So lebt der Mensch

So lebt der Mensch
Nur spärlich beleuchtet liegt die „Schantung“ im Hafen von Schanghai vor Anker. Ihre scharf bewachte Fracht – eine Ladung Gewehre und Revolver – muß, koste es, was es wolle, in die Hände von Kyo und seinen Leuten gelangen. Im Schutz der Dunkelheit nähern sich die Männer, in die Uniformen der Regierungstruppen gekleidet, unbemerkt dem Schiff. Fast widerstandslos überwältigen sie die Besatzung und kehren mit den kostbaren Kisten an Bord unbehelligt ans Ufer zurück. Die nächtliche Aktion ist geglückt. Noch in derselben Nacht werden die Waffen unter die Aufständischen verteilt, und der seit langem angestaute Widerstand gegen den Militärdiktator der Stadt und seine ausländischen Handlanger kann sich Bahn brechen…

Wenige Tage nur umspannt die aktionsreiche Handlung des Romans, die vor einem bedeutenden geschichtlichen Hintergrund abläuft: der Erhebung des Schanghaier Proletariats im Frühjahr 1927. „So lebt der Mensch“ ist jedoch weit mehr als die literarische Umsetzung historischer Geschehnisse. Wie in fast allen Werken von André Malraux bewegt die Helden die Frage nach einer sinnvollen Bestimmung ihres Daseins. Sie suchen nach einem Ausweg aus der für sie unerträglichen, von Angst und Einsamkeit geprägten „conditio humana“. Der junge Intellektuelle Kyo, der Berufsrevolutionär Katow und die Ärztin May, Kyos Frau, finden ihn in der Solidarität und Brüderlichkeit mit Gleichgesinnten, in dem Ziel, „allen Menschen … zum Bewußtsein ihrer Menschenwürde zu verhelfen“.

Als das Buch 1933 zum erstenmal in Frankreich erschien, löste es aufgrund seiner neuartigen Thematik und Darstellungsweise – ein Kritiker nannte es „ein unvorhergesehenes Zusammentreffen von Abenteuer- und psychologischem Roman“ – eine ungeheure Wirkung aus. Die intensive Auseinandersetzung mit großen ethischen Fragen hat dem Werk, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und inzwischen zum klassischen Repertoire der französischen Literatur rechnet, unvermindert Aktualität bewahrt.

ex libris Volk und Welt 1981
Aus dem Französischen von Ferdinand Hardekopf
Mit einem Nachwort von Brigitte Sändig

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